Silbermann Orgel Reinhardtsgrimma

Silbermann Orgel zu Reinhardtsgrimma

Evangelische Kirche Reinhardtsgrimma

 

 
Brief von Kantor Franz 1852
von Kristian Wegscheider und Hartmut Schütz



Einige Nachrichten über die Orgel in der Kirche zu Reinhardtsgrimma.

Es ist diese Orgel im Jahr 1731, den 6. Januar eingeweiht und von Gottfried Silbermann, Orgelbauer in Freiberg erbauet worden. Die hiesige Kirchgemeinde erhielt sie für den Preis von 800 Thalern. Im Jahre 1776 mag sie einer Reparatur von Adam Gottfried Oehme, einem Schüler Silbermanns, unterlegen haben, wie dieß aus dessen Namenszeichnung an der Claviatur zu ersehen ist. Was aber damals daran gethan worden ist, darüber läßt sich etwas Bestimmtes nicht sagen, da darüber keine Nachrichten aufzufinden sind; jedoch kann man mit Gewißheit annehmen, daß die damaligen Spanbälge neu eingebunden worden sind, indem sich davon Spuren vorfanden. - In sehr schlechten Händen mag dieses Werk eben in den Jahren 1809 oder 1810 gewesen sein, indem sich bei der Reparatur im Jahr 1852 ergab, daß früher schon zinnerner Conducten vorhanden gewesen sein mußten, die aber, schändlich genug, weggenommen und durch hölzerne ersetzt waren. Der Name dieses Orgelschänders mag der Nachwelt verschwiegen bleiben. - Seit mehr als 20 Jahren war daher der Wunsch rege geworden, das Werk einem geschickten Manne zu übergeben und herstellen zu lassen.

Der Hoforgelbauer Herr Jehmlich fertigte 2 Mal Anschläge zu einer vorzunehmenden Reparatur, ohne daß dieselbe zur Ausführung kam. Dem Unterzeichneten gelang es jedoch im Jahre 1852 die so lange gewünschte Reparatur zur Ausführung zu bringen. Herr Orgelbauer Carl Traugott Stöckel aus Dresden, gebürtig aus Dittersdorf bei Zschopau, einem Schüler des weit berühmten Hoforgelbauers Jehmlich in Dresden, wurde der Bau übertragen, nachdem derselbe in Hennersdorf bei Frauenstein eine ganz neue Orgel mit 13 klingenden Stimmen, außerdem Pedalcoppel, Manualcoppel und Klingelzug, im Ganzen 16 Register erbaut hatte. Mit seinem Gehilfen Herrn August Reichel aus Bobershau bei Zöblitz hat Herr Stöckel folgende Reparaturen an diesem Orgelwerke vorgenommen:

Die frühern Spanbälge mußten, da der Wurm sehr bedeutenden Schaden angerichtet hatte, beseitigt werden. An deren Stelle wurden neue Kastenbälge, nebst neuem Querkanal und Klingelzug gefertigt.

Die Windladen wurden herausgenommen und mit neuen Kanälen versehen, da die alten ebenfalls sehr wurmstichig waren. Sämtliche Schleifen wurden neu beledert und an mehren die Löcher vergrößert. Die Ventile wurden zum Herausnehmen eingerichtet und neue Federn untergesetzt. Da die frühern Pulpeten sehr entzwei waren, so wurden an deren Statt messingne Büchsen mit hindurchgeführtem Argentan-Draht eingesetzt. Der Tremulantenzug wurde verändert und verlegt, und an dessen früherer Stelle ein Pedalcoppelzug angebracht; denn da früher das Pedal stets ins Manual spielte, so wurde eine Vorrichtung angebracht, wodurch das Pedal vom Manual getrennt und allein gespielt werden kann. Der Tremulantenzug kam an die Stelle der frühern Klingel, dieser aber wurde im Claviaturschranke eine andere Stelle angewiesen. An 4 Stimmen, der Rohrflöte 4 Fuß, Gedackt 8 f. Rohrflöte 8 Fuß, und Nassat, wurden sämtliche Pfeifen mit neuen Füßen versehen, da die frühern vom Oxid so angegriffen waren, daß sie brachen. 28 Stück Holzpfeifen wurden ganz neu gemacht und im Subbaß wurden mehre mit neuen Decken versehen, indem auch hier der Wurm große Zerstörung angerichtet hatte.

Statt der später eingesetzten hölzernen Conducten wurden wieder zinnerne angefertigt und das Verführungsstück, worauf die Principalpfeifen stehen, wurde neu gemacht. Die Claviaturen wurden größtenteils neu belegt und die Pedalklaviatur ganz neu gemacht. Dem Klappern im Regierwerke wurde nach Befinden durch stärkere Stifte und stärkere Drähte, auch durch Betuchung und Belederung abgeholfen. Ueberdieß wurden sämtliche Pfeifen gereinigt und geputzt und die im Prospecte poliert.

Der Anschlag zu vorstehender Reparatur war anfangs auf 249 rt. festgestellt. Da aber bei Abtragung der Orgelpfeifen sich noch so mancher Fehler zeigte, so wird Herr Stöckel diese Summe wohl bis auf 300 rt. erhöhen müssen, und wird derselbe bei dieser Summe keine Schätze sammeln können, wie dieß bei Künstlern immer der Fall ist, aber die Nachwelt wird erkennen, daß dieses Orgelwerk bei ihm in guten Händen gewesen ist, wovon Alle die seine Arbeiten in Augenschein nehmen, überzeugt sind. Gott möge dem geschickten Orgelbauer Herrn Stöckel noch viele Jahre des Lebens und der Gesundheit schenken, damit er durch seine Kunst und uneigennützige Tätigkeit noch vielen Gemeinden nützlich werden kann.

Du aber, mein lieber Orgelbauer, der du einmal diese Schrift zuerst in die Hände bekommst, nimm es freundlich auf, was dir hier gesagt worden ist. Uebergieb diese Zeilen meinem dereinstigen Nachfolger im Amte und bring ihm meinen Gruß.

Reinhardtsgrimma den 24. September 1852.
Ernst Heinrich Franz
Lehrer und Kantor.



Schlußbemerkung. Der jetzige Collator ist Herr George Ruschenbusch auf und zu Reinhardtsgrimma, vermählt mit Frau Ernestine Auguste geb. Freiin von Brandenstein aus Reinhardtsgrimma. - Der Pfarrer Herr Paul Constantin Bruckner geht von hier nach Schönbach bei Colditz und wird seine Stelle besetzt von Herrn Franz Otto Stichart, der Zeit Pfarrer in Jöhstadt. Derselbe hielt den 15. p. Trin. seine Probepredigt und wird den 19. Oder 20. p. Trin. seine Antrittspredigt halten.